ARTIKEL: AGILITÄT DURCH MBSE

Wie MBSE Produktkomplexität beherrschbarer macht und Agilität in die Entwicklung bringt

Haben Sie sich schon einmal die Frage gestellt, wer in zehn Jahren noch in der Lage sein soll, die immer komplexer werdenden Systeme in Ihrem Unternehmen oder bei Ihren Kunden zu überblicken? Die Antwort darauf ist genauso kurz wie ernüchternd. Niemand!

Der Board-Computer bei der ersten Apollo-Mission stellte damals die Speerspitze des technisch Machbaren dar. Heute wird dessen Rechenleistung von jedem handelsüblichen Smartphone mit einem müden Lächeln um das Millionenfache übertroffen. Die steigende Produktkomplexität wird also – nicht ohne Grund und quer durch die Industrie – als die größte Herausforderung von Unternehmen der Zukunft eingestuft.

Das Model-Based Systems Engineering stellt sich dieser Problematik und ermöglicht die durchgängige Systemmodellierung über den gesamten Systemlebenszyklus.
Um die Produktkomplexität beherrschbarer zu machen, werden dokumentenbasierte Vorgehensweisen überholt, alle Ergebnisse der verschiedenen Entwicklungsaktivitäten in einem gemeinsamen Systemmodell zentralisiert und kontextspezifische Zugriffe gewährleistet.

Doch hinter den vier Buchstaben MBSE steht noch mehr: Neben dem Aufbau einer entsprechenden digitalen Infrastruktur ist auch die Migration von bestehenden Modellen ein wichtiger Aspekt. Und auch die Schulung von Mitarbeitern im Umgang mit den entsprechenden Methoden und Werkzeugen ist ein wichtiger Grundstein für die erfolgreiche Einführung. Dabei ist die Sensibilisierung für die Bedeutung von MBSE genauso essenziell wie die Rücksicht auf die individuellen Eigenheiten der Mitarbeiter, die Firmenkultur und die bereits bestehenden digitalen Geschäftsprozesse.

Ein Grund mehr, um an dieser Stelle noch einmal hervorzuheben, welchen existenziellen Mehrwert integriertes Model-Based Systems Engineering bei Implementierung in der richtigen Detailstufe mit sich bringt:

  • Durchgängiges Anforderungsmanagement

Vom ersten Vertriebsgespräch bis zur Auslieferung: Nur mit der Verlinkung von Anforderungen entlang der gesamten vertikalen Integrationsstruktur wird es in Zukunft gelingen, ein flexibleres Systemdesign und eine kostenoptimierte Fertigung zu ermöglichen.

  • Interdisziplinäre Zusammenarbeit

MBSE bedeutet nicht die Digitalisierung von einzelnen Domänen-Silos, sondern den engen fachbereichsübergreifenden Austausch in horizontaler Konsistenz. Gerade die Systemmodellierung auf Funktions- und Logikebene eröffnen hier die nötigte Transparenz.

  • Modernes Risikomanagement

FEM Simulationen zur Belastungsanalyse der Welle im CAD-Modell: Das geht in abgewandelter Form auch auf höheren Ebenen der Systemarchitektur. So können fehlende Schnittstellen, nicht erfüllte Anforderungen und fehlerhafte Designentwürfe in frühen Phasen des Produktlebenszyklus und noch vor der Einsteuerung in die Produktionslinien lokalisiert werden.

  • Ganzheitliches Konfigurationsmanagement

Die richtige Produktkonfiguration zum richtigen Zeitpunkt: Durch die bidirektionale Nachverfolgbarkeit von Änderungseinsteuerungen und Auswirkungen über alle Ebenen werden der Sichtwechsel zwischen verschiedenen Baselines und eine durchgängige Versionsverwaltung aller Produkte ermöglicht.

  • Agilität im technischen Fortschritt

Volatilere Märkte fordern eine hohe Flexibilität und Adaptivität. MBSE bringt die nötige Agilität in die Wertschöpfungskette. Durch die Modellierung von Abhängigkeiten, Änderungsauswirkungen auf betroffene Systeme und vertikale Rückwirkungen in das Architekturdesign wird der Austausch von Komponenten oder ganzen Teilsystemen mit abschätzbarem Risiko möglich.

MBSE gibt Ihnen konkrete Methoden und Werkzeuge an die Hand, um die genannten Punkte auch wirklich zu implementieren und davon zu profitieren.
Bei der Einführung bietet sich zunächst ein Pilotprojekt an, um sich einer vollumfänglichen Einführung Schritt für Schritt zu nähern. Der Abgleich von Einführungszielen mit den Ergebnissen einer MBSE-Reifegradanalyse kann dabei den Kick-off zum Ergreifen erster konkreter Maßnahmen bilden. In der Umsetzungsphase wird sich dann idealerweise iterativ an eine Customize-Lösung angenähert.

Was bleibt? Nach erfolgreicher Einführung werden Modewörter wie Fast Learning Cycles und Rapid-Control-Prototyping auch in der Hardware-Entwicklung zur gelebten Praxis. Die Transparenz des Produktreifegrades steigt nachhaltig und die Produkte werden noch in der laufenden Entwicklung validiert und entsprechend abgesichert.

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